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Weißstorch

Tier des Jahres1984 und 1994

Weißstörche sind in Europa sicherlich die bekanntesten Störche überhaupt. Da sie früher auch in Mitteleuropa noch häufig  auf Hausdächer in den Ortschaften nisten, waren diese 1 – 1,1 m lange und auffälligen schwarz – weiß gezeichneten Stelzvögel (Schwungfedern schwarz, Restgefieder Weiß) mit ihren langen, roten Beinen und Schnäbeln schon jedem Kind bekannt. Klapperstörche galten und gelten noch immer als Glücksbringer und zudem als nützliche Schädlingsvertilger. Der Weißstorch kommt als Storch schlechthin in vielen Fabeln, Sagen und Märchen vor.

Bestand und Brutgebiet.

Heute allerdings brüten Weißstörche nur noch selten in Deutschland. Während einer Bestandaufnahme im Jahre 1934 noch 9 035 Brutpaare gezählt wurden, nisten 1958 in demselben Untersuchungsgebiet (westlich der Oder und Neiße) nur noch 4 567 Paare. In den letzten Jahren haben zunehmende Störungen (z.B. viele Überlandleitungen, in denen die Störche im Flug hängenbleiben), zunehmende Trockenlegung von bislang ungenutzten Feuchtgebieten und fehlende Nistmöglichkeiten den Storchbestand Mitteleuropas noch stärker in Gefahr gebracht.

Das vollständige Brutgebiet des Weißstorchs erstreckt sich von Nordwestafrika über weite Bereiche Europas (ohne die Britischen Inseln, Schweden, Norwegen und Finnland) und Kleinasien, Armenien, Aserbeidschan und den Westiran bis nach Turkmemien, Usbekistan und Tadschikistan. Dabei steht das Brutareal der zentralasiatischen Rasse in keiner Verbindung zu den Weißstörchen Europas, Westasiens und Nordafrikas. Von Ostsibirien bis nach Korea und Japan ist der größere Schwarzschnabelstorch verbreitet, der bisweilen auch als Unterart des Weißstorchs aufgefasst wird.

Brutbiologie.

Je nach Brutgebieten kehren mitteleuropäische Weißstörche Ende Februar bis Anfang April zu ihren vorjährigen Nistrevieren zurück. Die Brutperiode beginnt im Norden des Verbreitungsgebietes Mitte April bis Anfang Mei, weiter Südlich dagegen schon Ende März bis Anfang April. Storche bevorzugen offenes Gelände mit Wiesen und Flußniederungen, Sümpfen und anderen Feuchtgebieten. Ihr 0,9 – 1,5 m (im Durchmesser) großes Nest errichten sie vorzugsweise auf Gebäuden und Masten, die eine besondere Nistplattform (Korb oder Wagenrad) aufweisen. Seltener nehmen Weißstörche auch Bäume und Felsklippen – beides wohl ursprünglich Neststandorte – als Brutplatz an. Zuerst erscheinen die männlichen Vögel und wählen den Nistplatz (meist das vorjährige Nest) aus sie bieten ihn dem später eintreffenden Weibchen an, das sodann zusammen mit seinem Brutpartner den Horst gegen Konkurrenten verteidigt. Meist sind dieselben Störche wie im Jahr zuvor miteinander verpaart. Völlig neu gebaute Nester haben einen Durchmesser von etwa 0,8 m und werden im Laufe der Jahre immer wieder durch Ausbesserungsarbeiten vergrößert; ein Horst erreicht das Rekordgewicht von 950 kg. Beide Partner bauen gemeinsam.

Das Gelege besteht aus 3 – 5 (selten bis zu 7) kalkig weißen Eier, (7,1 x 5,2 cm), die (vom 2. Oder 3. an) 31 bis 34 Tage lang von beiden Altvögeln erbrütet werden (Legeabstand 2 – 3 Tage). Die Nesthocker bilden 2 Dunenkleider aus, deren erst kurz, dünn und grau – weiß gefärbt ist. Nach etwa einer Woche bilden den Jungstörchen dann ihre zweites, dichteres Dunenkleid. Bereits kurz nach dem Schlüpfen versuchen sich die Nestlinge mit Klapperbewegungen. Während der ersten 3,5 -  4 Lebenswochen werden die Jungen ständig von einem Altvogel bewacht, der nicht, ohne dass ihn der Brutpartner ablöst, vom Nest wegfliegt. Daher müssen bei Ausfall eines Altvogels die Nestlinge verhungern. Erst nach etwa 4 Wochen fliegen beide Altvögel gleichzeitig vom Nest fort und schaffen Nahrung  (Insekten, Regenwürmer, Lurche, Kriechtiere, Nagetiere und Maulwürfe sowie gelegentlich andre kleine Wirbeltiere) herbei die sie vor den Jungen auf den Nestboden auswürgen. Bei großer Hitze tragen Weißstörche auch Wasser im Schlund herbei.

Nach 54 – 55 Tagen schließlich verlassen die Jungen das Nest; sie werden aber noch weitere 2 – 3 von den Eltern versorgt. Selbständig sind Weißstörche frühestens im Alter von etwa 70 Tagen. Geschlechtsreif werden sie mit 3 – 5 Jahren; das bekannteste wildlebender Weißstörche beträgt 21 Jahre, während einige Exemplare in Gefangenschaft 24 Jahre alt geworden sein sollen.

Wanderungen.

Weißstörche verlassen ihr Brutgebiet etwa von Mitte August bis Anfang September und ziehen in schmaler Front entweder über Gibraltar oder den Bosporus und Kleinasien zu ihren Winterquartieren ins tropische Afrika. Da Störche weite Strecken im Segelpflug überwinden, sind sie auf Aufwinde angewiesen und meiden daher möglichst weite Strecken über das offene Meer. Nur wenige Exemplare ziehen auch den kurzen Weg über Italien und das Mittelmeer nach Afrika. Asiatische Weißstörche wandern zum Winterhin in südöstlicher Richtung nach Indien und Ceylon.

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