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Überleben in der Wildnis

Als blind, hilflose Wollknäul kommen sie Zur Welt. Nur ein Jahr später sind Leoparden majestätische Großkatzen und Jäger mit beeindruckendem Geschick.

Da-ein Warzenschwein mit drei Frischlingen! Aneinandergekuschel liegen die Babys auf dem trockenen Gras der Savanne. Vorsichtig, ganz langsam schleicht sich ein junger Leopard an, lautlos beinahe, versteckt sich dann hinter einem Termitenhügel und beobachtet den schläfrigen Wildschweinnachwuchs. Der Leopard öffnet sein Maul, schmatzt leise, es sieht aus, las liefe ihm das Wasser im Maul zusammen. Doch da tritt der Warzenschweinvater auf den Plan, er schreckt seine Kleinen auf, panisch grunzend und mit wehender Mähne laufen sie davon.

Meister der Anpassung.

Ein weiterer Tag ohne fressen? Für Dikeledi, den jungen Leoparden, wäre das nicht neues. Er hat noch nicht gelernt, wie man jagt, ist unwissend und ungeschickt.

Im Freiland kommt es vor, das Leoparden nur ein- bis zweimal in der Woche fressen können, das hängt vom Jagderfolg ab. Von allen Großkatzen sind Leoparden, diejenigen mit der weitesten Verbreitung. Können sich völlig unterschiedlichen Gegebenheiten anpassen, überleben in Wüsten, Regen- und Laubwälder, Buschsteppen, Graslandschaften, Schilf- und Dornendickichten, sogar in schneebedeckten Höhen des Himalaja sind sie zu Hause. Ihr geographischer Lebensraum umfasst weite Teile Afrikas und reicht außerdem von der arabischen Halbinsel bis nach China, Indonesien und Korea. Auch im Kaukasus- in Armenien, Aserbeidschan, Georgien und Russland- sind die majestätischen Jäger heimisch. Entsprechend groß ist die Vielfalt an Unterarten. je nach Lebensraum können Leoparden eine bis  1,90 Meter lang und 30 bis 60 Kilo schwer werden. Auf ihren Speiseplan steht fast alles, was die Umgebung an Tiere hergibt, die sich erbeuten lassen. Dabei kann die Beute ein Vielfaches schwerer sein als der Jäger. Die bekannteste Unterart, der afrikanische Leopard, verspeist sehr gerne Antilopen, aber auch Affen, Hörnchen, Mistkäfer oder gar Krokodile werden nicht verschmäht, das Warzenschwein ist ebenfalls eine beliebte Kost. Mit Aas haben Leoparden auch kein Problem, der Nachwuchs ist sogar darauf angewiesen, solange er die Kunst des Jagens noch nicht vollends beherrscht.

Ein kleiner Leopard hat noch kein Geschick beim jagen- und zunächst auch kaum Interesse, seine Lektionen zu lernen. Viellänger als seine kleinen Artgenossen lässt er sich von der Mutter bedienen. Erkennungsmerkmal des Kleinen sind vier schwarze Punkte unter seinem rechten Auge. Wie Tränchen sehen sie aus, darum auch der Name Dikeledi, was in seiner Heimat Träne bedeutet, er wächst nämlich im Okavangodelta in Bosnien auf.

Hilflose Nesthocker.

Leopardenbabys sind Nesthocker und brauchen viel Zuwendung. Im Vergleich zu Löwen oder Tiger entwickeln sie sich aber relativ schnell. Mit geschlossenen Augen, als schwach gefleckte Wollknäuel kommen sie zu Welt. Nach etwa ein bis zwei Wochen öffnen sie die Augen. Im Alter von sechs bis acht Wochen verlassen sie erstmalig das Nest und krabbeln umher. Mit etwa einem Jahr wandern sie von der Mutter ab-Löwen und Tiger lösen den Mutter-Kind- teils erst nach zwei Jahren auf, Löwenweibchen bleiben ganz in der Geburtsfamilie.

Ausgewachsene Leoparden sind Einzelgänger. Sie leben innerhalb der Grenzen ihres Reviers, das bei männlichen Tieren 30 bis 80 Quadratkilometer groß ist. Nur in der Paarungszeit suchen die Tiere Kontakt zueinander.

Der kleine Dikeledi wächst allein bei seiner Mutter auf, vermutlich haben seine Geschwister die ersten Geburtswochen nicht überlebt. Durchschnittlich gebären Leopardenweibchen zwei bis vier Nachkommen je Wurf, doch in den ersten Wochen kommt nur ein von sechs Jungen durch. Im ersten Lebensjahr sterben etwa die Hälfte aller Jungtiere. Sie werden Opfer von Krankheiten oder sie verhungern, weil die Mutter nicht genug Beute schlägt, um sie zu ernähren. Zudem erbeuten größere Raubtiere, die Kleinen, sogar männliche Leoparden schrecken nicht davor zurück, Babys von Artgenossen zu fressen. Nicht zuletzt stirbt der sehr junge Nachwuchs, wenn die Mutter stirbt- etwa als Opfer von Wilderen.

Wenn doch alles gutgeht, erwerben die Jungen im ersten Lebensjahr von ihrer Mutter das fürs Überleben wichtigste Wissen: wie man Beute macht, und zwar durch Beobachten, Nachahmen und viel Übung. Die Jagt findet überwiegend Nacht statt. Im Verborgenen lauern Leoparden am Boden auf Beutetiere, schleichen sich dann so nah wie möglich heran. Das verstecken und lauern, vor allem das Schleichen auf leisen Sohlen, das Unsichtbar machen sind Fähigkeiten, die immer wieder geübt werden müssen. Haben sie die Mutter verlassen, passiert es Jungtieren noch häufig, dass ihnen die Beute entkommt. Deshalb ist es in der ersten Zeit  für sie besonders wichtig, auch Aas zu finden.

Die Kunst des Tötens

Dikeledi lässt sich noch im Alter von einem Jahr das Futter von der Mutter servieren. Hoch in einem Baum hinterlässt sie ihm etwa ein schmackhaftes Antilopenjunges. Dikeledi spielt mit den Kadaver, zerrt daran herum, beißt in dessen Nacken- was unappetitlich aussieht, erfüllt einen wichtigen Zweck: der junge Kater trainiert dabei das Erlegen von Beutetieren, er feilt an seinen Killertechniken. Mit einem gezielten Biss in den Nacken oder in der Kehle des Opfers töten Leoparden ihre Beute. Oft schaffen sie sie danach auf Bäume, verstecken sie unter Äste und Zweigen, wo sie sicher vor Nahrungskonkurenten wie Schakalen und Hyänen ist. Tagelang kehren die Jäger dann zu den Kadaver zurück, fressen immer wieder davon.

Nach allen Raubkatzen sind Leoparden die besten Kletterer, selbst senkrecht stehend Baumstämme erklimmen sie geschickt und bewegen sich wendig Geäst. Nur Dikeledi hat damit Probleme, bleibt gar mit seinen breiter werdenden Hüften zwischen Ästen hängen, bis seine Mutter ihn befreit.

Noch mit 14 Monaten macht der ungeschickte Junge keine Anstalten, sein Zuhause zu verlassen-bis die Mutter neue Fakten schafft: Sie lässt zu, dass der Vater zur Paarung zurückkehrt, und verstößt Dikeledi aus den Paradies. Für den Halbstarken beginnt nun eine harte Zeit, täglich muss er um sein Überleben kämpfen. Er besitzt zwar den Körper eines machtvollen Jägers, doch ihm fehlt jegliche Erfahrung. Erst nach einigen Wochen gelingt es ihm, Beute zu schlagen. Nach einiger Zeit sieht man ihn meisterhaft durch die Savanne schleichen. Er verschmilzt mit seinem Umfeld, wird beinah Unsichtbar, die Flecken auf deinem Fell lösen die Konturen des kräftigen Leopardenkörpers auf. Gut möglich, das ihm ein langes Leben bevorsteht. Zehn bis 15 Jahre alt können Leoparden in freier Natur werden, und Botswana schützt Dikeledis Art seit 2011 besonders streng vor Jägern, die es auf das Fell der Raubkatzen abgesehen haben.

Überhaupt ist die afrikanische Leopardenpopulation im Vergleich zur asiatischen relativ sicher, sie umfasst mehrere Hunderttausend Tiere. Demgegenüber gilt etwa der Amurleopard, heimisch in Russland, China und Nordkorea, als extrem bedroht. In den Vergangenen Jahren stieg der Bestand in freier Wildbahn dank entsprechender Schutzmaßnahmen von etwa 30 auf 50 Tiere an, die Unterart steht aber immer noch kurz vor der Ausrottung. Kritisch ist auch die Die Situation der Java-Leoparden, von denen es Schätzungen zufolge noch etwa 350 Arten gibt. Sichere Bestandzahlen gibt es jedoch keine. Die Tiere lassen sich in den Regenwälder Javas kaum zählen. Vielen Körperteilen wird in Asien eine heilende Wirkung zugeschrieben, so finden etwa Leopardenknochen in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung.

Bedrohte Kreaturen

In den zoologischen Gärten Europas sind kaum afrikanische Leoparden zu erleben, denn die wissenschaftlichen Gärten haben es sich zur Aufgabe gemacht, bedrohte Unterarten zu erhalten. Der Berliner Tierpark hält zurzeit fünf Java-Leoparden, die sich durch ihren kleinen Körper mit dunklem, dicht geflecktem Fell auszeichnen. Zusammen mit indonesischen Kollegen führt Christian Kern das Internationale Zuchtbuch für Java-Leoparden, das heißt, er ist verantwortlich für ein globales Zuchtprogramm. Langfristiges Ziel: die Unterzahl vor der Ausrottung zu bewahren.

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