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Pelz

Als Pelz bezeichnet man zu Kleidung und Accessoires verarbeitete Fellarten und Felle von Säugetieren mit zumeist kurzen und sehr dicht stehenden Haaren.

Felle, Pelze und Pelzwaren gehören zu den frühesten Waren des Welthandels. Die Jagd erfolgt vielfach durch Angehörige indigener Völker und hauptberufliche Fallensteller. Die koloniale Expansion der europäischen Mächte in Nordamerika, Nordeuropa und in Nordasien war stark vom Pelzhandel motiviert. Herstellung, Verarbeitung und Verkauf wurden von Kürschnern, Zünften, Märkten und Messeplätzen und Handelsgesellschaften organisiert. Diese wurden von den beteiligten Städten und Flächenstaaten privilegiert und politisch sowie militärisch unterstützt. Bis in das späte 17. Jahrhundert gab es in Europa Erlasse und Kleiderordnungen, die manche Pelzarten nur bestimmten Personengruppen und Ständen gestatteten.

Mit der Industrialisierung wurde zwar die Zucht zur Hauptquelle des Ausgangsprodukts, doch wurde der Pelz gegenüber anderen Warengruppen immer unbedeutender; das galt umso mehr für die Fallenstellerei. Der Handel mit den Fellen bestimmter, insbesondere vom Aussterben bedrohter Tierarten, ist aufgrund des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens und anderer Vorgaben seit den 1970er Jahren eingeschränkt oder verboten. Viele Tierschützer und insbesondere Tierrechtler lehnen darüber hinaus die Nutzung von Pelzen ab.

85 % der Pelze stammten im Jahr 2009 aus der Zucht, die häufigsten zur Pelzgewinnung gehaltenen Tiere sind dabei Fuchs, Iltis, Nerz, Finnraccoon, Nutria und Chinchillas. Dänemark (11 Millionen Tiere) produziert die meisten Nerze, Finnland (2,7 Millionen) die meisten Füchse. Die Weiterverarbeitung von Pelzen findet unter anderem in Europa, so Deutschland, Frankreich und Italien statt. Der Markt für Pelze hat sich seit Ende des 20. Jahrhunderts erheblich nach Asien verlagert. Im Jahr 2002 lag der Gesamtwert der in der EU gezüchteten Pelze bei 625 Millionen Euro.

Herkunft

Die Nutzungsarten waren einem erheblichen historischen Wandel unterworfen. So werden einzelne Schaf- und Kaninchenrassen speziell wegen ihrer besonderen Felleigenschaften gezüchtet. Hierzu gehören zum Beispiel das Karakulschaf (gelockter Persianer), das Merinoschaf (seidig, für Wolle und Lammveloure), die Chinchilla und Rexkanin. Nutztiere wie Hamster, Meerschweinchen, Pferde und Esel oder gar Hunde kommen prinzipiell als Pelzlieferanten in Frage. Sie wurden und werden in manchen Ländern und Kulturen je nach Nahrungstabu ebenso als Fleischlieferanten genutzt. Der Pelzlieferant Biber war im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise, Opossum und Sumpfbiber (Nutriafell) werden teilweise noch heute verzehrt. Seehunde sind ein Grundnahrungsmittel der Inuit.

Der Wildfang macht global noch etwa 15 % des Aufkommens aus. Bedeutend dabei sind insbesondere die Pelze von Tieren, die als Schädlinge oder Lästlinge gejagt werden. Hierzu gehören Wildkaninchen, Hamster, Maulwurf, neuseeländisches Opossum, Marder, Iltis, Wiesel, Nutria, Bisamratte und Waschbär. Dabei sind bestimmte Fallenarten in der EU untersagt.

Bei den Zucht-Pelztieren ging der Hauptanteil 2008 auf den Minknerz zurück, gefolgt von Schafen, Silberfuchs, Blaufuchs, Marderhund (Seefuchsfell), Chinchilla, Nutria, Zobel und Iltis. Je nach Mode wurden mehr oder weniger erfolgreiche Versuche unternommen, weitere Pelztiere zu züchten (unter anderem Waschbär, Bisamratte, Skunk). Die meisten Pelztierfelle stammen aus Pelztierfarmen. Aus Gründen des Tierschutzes ist die Zucht von Pelztieren in Österreich, der Schweiz und in Großbritannien verboten.

Qualität

Die Qualität eines Felles hängt von vielen Faktoren ab. Ein besonders dichtes und strapazierfähiges Fell findet sich bei Pelztierarten, die ganz oder zeitweilig im Wasser leben. Je kälter der Lebensraum, desto dichter und seidiger das Haar, ebenso sind Winterfelle qualitativ besser als Sommerfelle. Felle von Kleinraubtieren haben ein zügigeres und damit stabileres Leder als die von Pflanzenfressern. Die höchsten Pelzqualitäten stammen von Winterfellen marderartiger Kleinraubtiere, so dem Nerz. In der Kürschnerei haben Pelze Haardichten über 400 Haare pro cm², Felle 50–400 Haare/cm², alle darunter liegenden Behaarungsdichten werden als haararme Haut bezeichnet. Die Herkunft der Pelze lässt sich gliedern in:

Felle, die als Nebenprodukt der Nutztierhaltung und Fleischerzeugung anfallen (etwa 40 % der Pelzproduktion)
Felle von Tieren, die unabhängig von der Pelzgewinnung gejagt werden, weil sie als Schädling oder Lästlinge wirken oder empfunden werden
Felle von Pelztieren, die allein wegen ihres Fells gejagt, gefangen oder gezüchtet werden

Bei der Schlachtung von Nutztieren fallen unter anderem Felle von Lamm und Schaf, (Persianer, viele verschiedene Schafrassen), Kaninchen (Kaninfell), Ziege und Zickel, Rind und Kalb, Pferd und Fohlen, Rentier (Pijikifell) und Känguru (Wallabyfell) an.

Verarbeitung

Kürschner verarbeiten Rauchwaren oder Rauwaren, für die Pelzverarbeitung geeignete zugerichtete Tierfelle. 2009 bestanden in Deutschland 825 Betriebe mit 6850 Beschäftigten. Erste Zunftgründungen sind bereits aus dem 12. und 13. Jahrhundert bekannt. Ähnlich wie bei den verwandten Berufen, wie Weißgerber, Täschner, Handschuhmacher und Pergamenter galt die Kürschnerei im Mittelalter wegen des Umgangs mit toten Tieren als unreines Handwerk. In Asien, insbesondere in Japan hatte dies eine bis heute andauernde Diskriminierung zur Folge (vgl. Buraku und Dalit). Dabei galten nicht die Produkte, sondern die zugehörigen Berufsgruppen und deren Nachfahren als unrein. In Europa waren Kürschner dennoch angesehen und zumeist ratsfähig.

Im Unterschied zum Gerben, dem Zubereiten von rohen Häuten und Fellen zu Leder, werden die Rohfelle zu dauerhaften Pelzfellen zugerichtet. Dafür wird das Fell so konserviert, dass das Haar erhalten bleibt. Das Zurichten versucht verderbliche Fette und Eiweißstoffe durch konservierende und stabilisierende Substanzen zu ersetzen. Aus getrockneten Rohfellen entstehen geschmeidige, strapazierfähige und verarbeitungsfähige Pelzfelle. Die Felle werden entfleischt und das Unterhaut-Bindegewebe wird entfernt, das Pelzleder speziell gegerbt und gefettet. Abschließend werden die Pelzfelle in eine für die Weiterverarbeitung geeignete Form gestreckt, gesäubert und geglättet. Bis etwa 1850 haben die Kürschner ihre Rohfelle selbst zugerichtet, danach wurde die Zurichtung von der eigentlichen Kürschnerei abgetrennt.

In weiteren, als „Veredlung“ bezeichneten Arbeitsschritten, können die Felle u. a. zusätzlich gefärbt werden, die Lederseite kann veloutiert oder nappiert werden. Durch Scheren oder Rupfen werden die Felle zu sogenannten „Samtpelzen“ weiter veredelt. Schon in der frühen Neuzeit entwickelte sich eine Arbeitsteilung, bei der Stückwerker und Tafelmeister beschäftigt wurden. Später kamen Halbfabrikatehersteller und die Kürschner für die fertige Pelzbekleidung hinzu. Aufwändige Formveränderungen der verarbeiteten Felle hat es vor dem 18. Jahrhundert kaum gegeben. Mit der Erfindung der Pelznähmaschine um 1872 durch Joseph Priesnerwurde die Verarbeitung von Pelzen erheblich erleichtert und die Pelzbranche expandierte in erheblichem Maß. Nach dem Ende der Ausbildung erfolgte oft eine Spezialisierung der Tätigkeit in den „Schneide“- und den „Nähkürschner“. Für das Nähen mit der Pelznähmaschine erfolgt häufig eine erneute Arbeitsteilung. Dies betrifft insbesondere das Nähen der so genannten „Auslassarbeiten“, des Verlängerns der Felle durch Schnittanlagen.

Zu den Zentren der Pelzverarbeitung gehören bestimmte Regionen in Griechenland und die Türkei. Im deutschsprachigen Raum ist die Pelzbearbeitung klein, mittelständisch und sehr stark regional strukturiert, die verbliebenen Pelztierfarmen finden sich vor allem in Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Deutschland (Bundesrepublik wie DDR) hatte in den sechziger und siebziger Jahren im Bereich der Pelzveredlungsindustrie eine Spitzenstellung eingenommen.

Herstellung

Wie viele Felle für ein einzelnes Pelzteil verarbeitet werden, hängt von der Größe des Fells, der Art des Kleidungsstücks, der Mode und davon ab, wie aufwändig die Form gestaltet wird. Ein gerader Mantel von 100 cm Länge in der Konfektionsgröße 38 hat einen Flächeninhalt von rund 25.000 cm². Nicht direkt verwendete Fellteile wie Schweife, Pfoten oder Kopfstücken werden zu „Tafeln“ zusammengesetzt, aus denen später Kleidungsstücke gefertigt werden. Hauptort der „Body-“ oder Tafelfertigung ist Kastoria in Griechenland. Nachfolgend die durchschnittlichen Nutzflächen der einzelnen Fellarten mit dem Fellverbrauch für einen geraden Mantel.

Ein wesentliches Merkmal eines Pelzes ist die Möglichkeit, ihn im Laufe seines Lebens mehrfach umzugestalten. Da der Pelz aus einzelnen Fellen zusammengefügt wurde, lässt er sich durch eine Neuaufteilung der Felle umformen. Motivation für eine Veränderung sind hauptsächlich der Modewandel, Figurveränderung, Wechsel des Besitzers oder die Beseitigung von Tragespuren. Bei der Umarbeitung kann das Teil gleichzeitig modisch neu eingefärbt und damit auch eventuell eingetretene Farbveränderungen überdeckt, die Haarstruktur kann durch Färben oder Scheren verändert werden. Eine weitere Veränderungsmöglichkeit besteht in der Umformung in ein Innenfutter, eine Decke oder ein Fellplaid. Die Umgestaltungsmöglichkeit ist jedoch durch die natürliche Alterung zeitlich begrenzt. Diese hängt von der Art der Lagerung (möglichst kühl bei durchschnittlicher Luftfeuchtigkeit, dunkel), von der Fellart und der Gerbung ab.

Geschichte

In der jüngeren Steinzeit gab es Mützen und Accessoires aus Pelz sowie Pelzfutter als Kleidungselemente. Sie wurden im Zusammenspiel mit Bast und Wolle gebraucht.

Die älteste Darstellung eines Pelzes ist wahrscheinlich eine aus einem Stoßzahn geschnitzte Frauenfigur, etwa um 12.000 v. Chr. Die im sibirischen Buret gefundene Frauenstatuette trägt Jacke, Hose und Kapuze, die darauf befindlichen Kerben werden als Pelz gedeutet, als einer Pelztracht, wie sie auch in der Neuzeit dort noch getragen wurde. Statuetten aus dem sibirischen Malta weisen aufgemalt eine ähnliche Pelzkleidung auf.

Die wahrscheinlich älteste erhaltene Pelzbekleidung sind die kupferzeitliche Bärenfellmütze und Ziegenfelljacke des Manns vom Hauslabjoch, Ötzi. Seine Schuhe hatten Fellsohlen und Hirschfellobermaterial, einen Innenschuh aus Lindenbastgeflecht und eine Isolierungsschicht aus Grasfasern. Er trug die Fellseite der Jacke nach außen, die helle und dunkle Fellstreifen kombinierte. Die Mütze bestand aus Wolfsfell.  Ein mitgeführtes Grasgeflecht wird als Übermantel oder Regenschutz interpretiert. Die Beinkleider bestehen aus vielerlei Fellstücken der Hausziege, die mit Tiersehnen in der bis heute in der Kürschnerei gebräuchlichsten, einfachen überwendlichen Naht zusammengefügt sind.

Erste Aufzeichnungen über den Handel mit Rauchwaren findet man in China aus der Zeit um 2000 v. Chr.

Kritik und Einschränkungen der Pelzgewinnung und Herstellung

Gegen das Tragen und die Herstellung von Pelz gibt es ausgeprägte Abneigungen und teilweise gewaltsame Widerstände. Kritisiert wird unter anderem, Nutzung und Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung diene allein Mode und Luxus und fände unter tierquälerischen Umständen statt.

Artenschutz

Pelztierjagd und Handel mit Pelzen

Schon seit dem 16. und 17. Jahrhundert wurden in etlichen Ländern Gesetze zum Schutz verschiedener Jagdtiere beschlossen, in denen bestimmte Schonzeiten festgelegt wurden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es zusätzliche Bestrebungen zum Erhalt der Tierwelt, die ihren Ausdruck in verschiedenen Gesetzen gefunden haben. Bedeutend war vor allem 1911 die North Pacific Fur Seal Convention zum Schutz der Nördlichen Pelzrobbe und des Seeotters. 1973 wurde das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen, international CITES genannt, beschlossen, 1976 wurde es von der Bundesrepublik ratifiziert. In ihm wird der Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen eingeschränkt und geregelt. Zusätzliche Beschränkungen bestehen durch die Bundesartenschutzverordnung, die am 1. Januar 1987 in Kraft trat.

Einige Pelztiere wie Bisamratte und Mink haben sich als Neozoen in der europäischen freien Wildbahn etabliert und verdrängen teilweise endogene Arten wie den europäischen Nerz. Gefangenschaftsflüchtlinge aus der Pelztierhaltung bzw. gewollte Freilassungen werden kontrovers diskutiert. Zu Schutzmaßnahmen gehören internationale Handelsabkommen, die den Pelzhandel einschränken sowie Abschussquoten, Schutzgebiete und Schonzeiten für einzelne Arten. Der World Wildlife Fund akzeptiert die traditionelle Pelztierjagd unter genau definierten Bedingungen. Dieses Jagdmanagement sowie die Bewirtschaftung von einzelnen wildlebenden Pelztierarten ist umstritten, so bei Robbenjagd und Bisambekämpfung. Spätestens seit Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens ab 1973 werden fast alle gefleckten Katzen (südamerikanische Wildkatzen, Ozelots, alle Großkatzen) und Otter nicht mehr legal gehandelt. Davon unbenommen sind in der EU der Handel und die Einfuhr von Rauchwaren, Fellen und Pelzbekleidung frei und unbeschränkt möglich.

Pelztierhaltung

Die Haltung von Pelztieren wird als Aspekt der Landwirtschaft, der Zoologie wie des Veterinärwesens erforscht, die wissenschaftliche Begleitung der Jagd und Hege von Wildtieren ist Angelegenheit der Vegetationsbiologie wie Forstwirtschaft. Knud Erik Heller von der Universität Kopenhagen befürwortet aufgrund von Untersuchungen des Streßniveaus von Pelztieren etwa eine verdeckte Rückzugsmöglichkeit für Nerze in Käfighaltung, die Käfiggröße als solche habe wenig Einfluss. Die Trageeigenschaften wie die Warmhaltefähigkeit und Temperaturregelung mit und in Pelzen sind von großem Interesse für die Verhaltensforschung wie bei der Anfertigung entsprechender Kleidung.

In den meisten Staaten fällt die Haltung von Pelztieren unter die allgemeinen Regelungen zur Züchtung wie zum Schlachten oder Töten von Tieren. Nach § 4 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes von 1972 dürften Wirbeltiere „nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden“. Die Durchführung der Tötung werde von entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten abhängig gemacht und innerhalb der Ausbildung der Pelztierhalter durch Empfehlungen für tierschutzgerechte Tötung von Pelztieren in Zuchtfarmen nachvollzogen. Für Wildfänge gilt unter anderem die Fallenfangverordnung. Der grenzüberschreitende Handel wird durch das internationale Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen geregelt.

Auf europäischer Ebene wurde mit Wirkung zum 31. Dezember 2008 verboten, Hauskatzen- und Hundefelle in die Länder der EU ein oder aus der Union auszuführen; Katzenfelle wurden insbesondere zur Linderung bei Rheumaschmerzen verwendet. Nationale Regelungen kommen etwa in der Schweiz und Großbritannien zum Tragen, wo es seit Anfang der 1990er Jahre keine Pelztierhaltungen mehr gibt. Die kommerzielle Nutzung lohnt sich nicht mehr, da für diese Wildtiere eine aufwändige Gehegehaltung vorgeschrieben ist. In Österreich ist mit der Verordnung über die Haltung von Pelztieren seit 1998 die Pelztierhaltung zu Erwerbszwecken verboten. Ein europäisches Verbot scheiterte an der Haltung der Skandinavier, insbesondere Finnlands und Dänemarks, wo die Pelzzucht einen wichtigen regionalen Wirtschaftsfaktor darstellt.

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