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Nicht schlecht Herr Specht

Begabte Sänger sind sie nicht – Spechte haben ganz andere Talente: Sie trommeln Botschaften, benutzen Werkzeuge, und ihr Körper ist ein Wunder der Natur.

Dauereinsatz

Sobald im Frühjahr die Jungvögel geschlüpft sind, kann man die Spechthöhlen leicht entdecken. Lautes Gezeter schallt heraus. Bis zu sieben Jungen haben ständig Hunger. Beide Eltern müssen abwechselnd schwärmen und füttern.

Kopfschmerzen? Unbekannt!

Bis zu 12 000 – mal schlagen Spechte ihren Schnabel ins Holz: 20-mal pro Sekunde. Jeder Hieb entspricht einem Aufprall auf eine Betonmauer bei 25 km/h. Für Menschen tödlich – Spechte bekommen nicht einmal Kopfweh. Denn ihr Gehirn füllt den Schädel ganz aus und kann deshalb nicht hin und her schwappen und dabei an den Schädelknochen stoßen. Der hintere Teil der Zunge  legt sich um das Spechtgehirn und stabilisiert es zusätzlich.

Wo gehobelt wird…

Der Specht spannt seinen gesamten Körper wie eine Feder und schlägt dann genau senkrecht zu. Dadurch wird die Kraft auf einen Punkt konzentriert – die Späne fallen bis zu zehn Meter weit.

Als Kandidat bei DSDS würde der Specht schon in der Vorrunde rausfliegen. Denn statt zu singen, reicht es bei ihnen allenfalls für ein jämmerliches Quäken. Manche Arten gackern sogar. Zum Glück müssen Spechte erst gar nicht singen. Denn sie spielen besser Schlagzeug als jedes andere Tier der Welt. Für ihren Auftritt suchen sich die Trommelvirtuosen stets ein geeignetes Instrument: hohle abgestorbene Äste. Darauf hämmern sie dann mit bis zu 25 Schnabelschlägen pro Sekunde Botschaften an ihre Artgenossen oder werben um Weibchen,aber Schlagzeugspielen ist natürlich nur ihr Hobby. Beruflich sind Spechte in der Baubranche tätig, spezialisiert auf Eigenheime. Hat er mit seinem Schlagzeugspiel im Frühjahr eine Dame anlocken können, beginnen beide umgehend mit der Höhlenfertigung – Eingang schmaler Flur, geräumiger Wohn- und Schlafbereich. Bauzeit: zwei bis vier Wochen. Meist bewohnen sie die Höhlen zunächst selbst und ziehen bis zu sieben Junge groß. Erst im nächsten Jahr wird die Behausung dann weitergegeben an Meisen, Kleiber, Eulen oder auch Siebenschläfer.

König der Handwerker – ein Körper wie geboren für die Baustelle

Weltweit gibt es 200 Spechtarten, bei uns brüten 10 davon. Der größte davon ist der Schwarzspecht (55 cm Körperlänge), der kleinste der Kleinspecht (15 cm), der häufigste ist der Buntspecht (23 cm). Ein Vogel, geboren für die Baustelle – mit einem Körper wie ein Handwerkskoffer: Alles drin, alles möglich. Spechte haben Füße mit vier Zehen, die zur Seite gedreht werden können für mehr halt an den Bäumen und mit extra dicker Haut, die vor Insektenstichen schützt. Seine Nasenlöcher sind mit einer Atemmaske aus feinsten Federn bedeckt, damit er keinen Holzstaub einatmet. Und sein Schnabel verliert nie an Schärfe.

Ständig sucht er mit einzelnen, gezielten Schlägen unter der Borke nach Futter. Sobald sich etwas regt, katapultiert er seine bis zu vier Zentimeter lange Zunge wie eine Harpune in jedes noch so winzige Baumloch und erbeutet so Insektenlarven. Deshalb gelten Spechte auch als Gesundheitspolizei des Waldes.

Doch die größte Geschicklichkeit ist vergebens, wenn der Baumeister nicht wenigstens ein Mindestmaß an Intelligenz besitzt. Zum Glück gelten die Spechte als die Einsteins der Wälder. Ihre Cleverness ist mit der von klugen Raben und Papageien vergleichbar, ihre Merkfähigkeit schlicht genial: Sie können sich nicht nur an Hunderte verschiedener Futterplätze erinnern. Als einziger Waldvogel schaffen sie es, komplexe Handlungen im Voraus zu planen. Will ein Specht etwa eine harte Nuss knacken, klemmt er sie in eine Astgabel oder ein eigenes gehämmertes Loch, um sie dann mit dem Schnabel aufzuhacken. Vogelkundler sprechen auch von Spechtschmieden.

 Was Spechte gar nicht mögen? Zuschauer!

Eigentlich müssten so herausragende Schlagzeuger und Handwerker die große Bühne geradezu herbeisehnen. Tatsächlich aber scheinen Spechte eher unter Lampenfieber zu leiden. Spaziergänger weichen sie beim klettern stets auf die Rückseite des Baumstammes aus. Am besten ruhig stehen bleiben und abwarten. Nach wenigen Minuten wird der Virtuose auf seinen Platz zurückkehren und sein Konzert fortsetzen.

Oft landen Grünspechte mitten im Ameisenhaufen und picken ihre Leibspeise einfach auf. Allerdings wehren sich die Insekten und verbeißen sich ins Gefieder. Also wird anschließend ausgiebig gebadet und geputzt.

Weltenbummler

Bei uns bevorzugen Schwarzspechte Rotbuchen und bleiben ihren Baum recht treu. Ansonsten aber sind sie die Eroberer unter den Spechten: Sie leben im Himalaja, in Sibirien, auf japanischen Inseln, scheuen keinen Flug über die offene See.

Feinschmecker

Mit ihren Schnabel öffnen Spechte die Borke. Dann holen sie mit ihrer bis zu vier Zentimeter langen Zunge Insekten und Larven hervor. Im Frühjahr schlagen sie auch in die saftige Rinde der Zweige, um den austretenden Saft zu trinken – daher auch das Wort Schluckspecht.

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