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Kuckuck

Vogel des Jahres 2008

Die Familie der Kuckucke umfasst rund 130 Arten. Sie besiedeln weite Teile der Alten und Neuen Welt. "Unser" Kuckuck ist die einzige Art in Mitteleuropa. Nur in Spanien und vereinzelt auch in anderen Mittelmeerregionen gibt es einen weiteren Verwandten, den auch äußerlich deutlich zu unterscheidenden Häherkuckuck. In Deutschland ist der etwa taubengroße Vogel also unverwechselbar.
 

Kennzeichen

Mit 34 Zentimeter Körpergröße ist der Kuckuck etwa so groß wie sein Vorgänger unter den Jahresvögeln, der Turmfalke. Aber er ist ein eher scheuer Vogel, der die Nähe des Menschen meidet. Meist ist er im Flug zu sehen. Dabei erinnert er ebenfalls ein wenig an einen Falken, doch sein Schwanz ist deutlich länger, sein Flügelschlag auffallend flach. Gerne sitzt er weithin sichtbar auf einem Busch oder Zaunpfahl. Das Männchen ist überwiegend schiefergrau. Seine quergebänderte Unterseite erinnert an einen Sperber. Die Weibchen sind leicht rostfarben getönt. Ihre etwas schwächere Bänderung beginnt bereits an der Kehle. Besonders die Weibchen kommen aber auch in einer selteneren, kräftig rostbraunen und auch oberseits gebänderten Variante vor. Diese Abweichung ähnelt dem Jugendkleid, besitzt jedoch nicht dessen weißen Nackenfleck.

Lautäußerungen

Mit dem bekannten und weit zu hörenden Kuckucksruf markiert das Männchen sein Revier. Dabei sitzt es meist hoch auf einem Baum, mit gestrecktem Körper, leicht gefächertem Schwanz und hängenden Flügeln. Vor allem im Mai und Juni ist sein meist zweisilbiger Ruf zu hören, ein "gu-kuh" in unterschiedlicher Tonhöhe, eine kleine Terz abwärts, aber auch größere Tonintervalle werden gerufen. Die Männchen verfolgen die Weibchen oft mit einem heiseren "hach hachhach". Diese wiederum haben eine ganz andere Stimme, ein laut trällerndes "Kichern".


Nahrung

Der Kuckuck ist ein Insektenfresser. Zu seiner Lieblingsspeise zählen Schmetterlingsraupen, aber auch Heuschrecken, Käfer und Libellen. Solche Insekten werden meist von Sitzwarten aus gezielt angeflogen, Raupen dagegen von Blättern und Zweigen aufgesammelt. Weibchen verzehren auch Singvogeleier.

 


Fortpflanzung

Männchen und Weibchen gehen keine längere Paarbindung ein. Nicht einmal eine kurzfristige Bindung, die länger als einen Tag dauert, ist belegt. Die größte Besonderheit ist ihr Brutparasitismus: Nach genauer Beobachtung verteilt das Weibchen seine Eier gezielt auf die Nester anderer Vögel. Diese Wirtsvögel sind viel kleiner als der Kuckuck selber. Die Eiablage erfolgt in nur wenigen Sekunden, wobei in jedes Nest nur ein Ei gelegt wird. Das Männchen lenkt dabei manchmal die Wirtsvögel ab.

Zwischen Ende April und Anfang Juli legt ein Weibchen neun bis zwölf, manchmal bis zu 25 Eier. Liegt ein Kuckucksei im Nest, ist die Brut des Wirtsvogels verloren .Nach dem Schlüpfen schiebt der erst wenige Stunden alte Jungkuckuck nacheinander sämtliche Eier und die bereits geschlüpften Stiefgeschwister über den Nestrand und lässt sich alleine "bewirten". Seine Nestlingszeit beträgt - abhängig vom Wirtsvogel - 19 bis 24 Tage.
In Europa sind mehr als 100 Vogelarten bekannt, die dem Kuckuck als Wirt dienen. Häufige Wirtsvögel sind der Teichrohrsänger, der Wiesenpieper, der Neuntöter, der Hausrotschwanz, das Rotkehlchen, die Bachstelze und sogar der winzige Zaunkönig.

Wanderungen

Kuckucke überwintern südlich des Äquators, nur ein kleinerer Teil auch in Westafrika. Damit zählen sie zu den Langstreckenziehern unter den Zugvögeln. Alt- und Jungvögel verlassen uns ab Anfang August und kehren im Normalfall in der zweiten Aprilhälfte zurück. Sie ziehen überwiegend nachts.

Lebensraum

Der Kuckuck lebt in allen Teilen Deutschlands von den Küstenmarschen bis zur alpinen Weide- und Waldlandschaft. Flussniederungen mit einzelnen Sitzwarten sowie Moore und Heiden sind am dichtesten besiedelt. In ausgeräumten Ackerlandschaften wird man ihn dagegen vergeblich suchen. Sein Vorkommen hängt regional auch von der Häufigkeit geeigneter Wirtsvögel ab.

Verbreitung

Über ganz Europa verbreitet fehlt der Kuckuck nur auf Island und im äußersten Norden Russlands. Im Osten reicht sein Verbreitungsgebiet von Kamtschatka über Japan bis nach Südostasien.

Bestand und Bestandsentwicklung

Genaue Bestandsangaben über größere Gebiete und längere Zeiträume gibt es kaum. Die Zahlen scheinen auch von Jahr zu Jahr deutlich zu schwanken. In Europa wird der Bestand auf 4,2 bis 8,6 Millionen Brutpaare geschätzt. Zwischen 51.000 und 97.000 Paare leben in Deutschland.

Nahezu alle Länder West- und Mitteleuropas melden seit längerem rückläufige Zahlen. In England verringerte sich der Bestand in den letzten 30 Jahren um fast 60 Prozent. Auch in einigen Teilen Deutschlands ist der Kuckuck seltener geworden. Lediglich im östlichen Europa scheint der Bestand noch stabil zu sein.


Gefährdung

Kuckucke sind unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt. Geht die Zahl wichtiger Wirtsvogelarten zurück, wirkt sich das auch auf den Kuckuck aus. Darüber hinaus spielt das Nahrungsangebot eine große RDer Kuckuck ist ein Zugvogel

 

10.000 Kilometer hin und zurück

Der Kuckuck ist ein typischer Zugvogel, dem es bei uns im Herbst und Winter an der nötigen Insektennahrung fehlen würde. Seine Überwinterungsgebiete liegen größtenteils südlich des Äquators. Damit zählt er zu den Langstreckenziehern unter den Zugvögeln, der hin und zurück zwischen 8.000 und 12.000 Kilometer Flugstrecke auf sich nimmt. Ein kleinerer Teil zieht nur bis Westafrika. Vermutlich sind dies Vögel von der Iberischen Halbinsel und aus Nordafrika. Alt und Jungvögel verlassen Deutschland ab Anfang August und kehren im Normalfall in der zweiten Aprilhälfte zurück.

Innerhalb von Deutschland rücken sie dabei mit etwa 50 Kilometern pro Tag von Süden nach Norden vor. Der Heimzug kann sich in manchen Jahren bis Ende Mai hinziehen. Wie viele andere Langstreckenzieher zieht auch der Kuckuck überwiegend nachts.

olle, das sich vor allem in der Agrarlandschaft verschlechtert hat. Schmetterlinge, Maikäfer und andere Großinsekten fallen der landwirtschaftlichen Intensivierung durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden zum Opfer. Möglicherweise kommt es auch auf den Zugwegen und in Überwinterungsgebieten zu größeren Nahrungsverlusten, zum Beispiel beim großflächigen Einsatz von Giften gegen Heuschreckenplagen. Gelegentlich wird dem Kuckuck auch eine Verwechslung mit dem Sperber zum Verhängnis.

Das Kuckucksei im fremden Nest

Der Kuckuck pflanzt sich auf faszinierende Weise fort

Die Fortpflanzungsstrategie des Kuckucks ist eine faszinierende Anpassung an eine nur kurze Verweilzeit im Brutgebiet. Der Kuckuck ist ein Brutparasit: Er legt seine Eier in fremde Nester und überlässt anderen Vogelarten den mühevollen Dienst an einem anspruchsvollen Einzelkind. Ohne Wirtsvögel gibt es beim Kuckuck keinen Nachwuchs.

Wenn der Kuckuck im Mai aus dem Winterquartier zurückkehrt, sind eine Reihe von geeigneten Singvogelarten bereits im Besitz ihrer Reviere und bereiten sich auf ihre Bruten vor. Dazu zählen in den Feuchtgebieten meist Rohrsänger - Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger - aber auch in halboffenen Landschaften und in Wäldern viele andere Arten wie Stelzen, Pieper, Würger, Heckenbraunelle, Grasmücken, Rotkehlchen, Rotschwänze und Zaunkönige. Eine Voraussetzung bringen sie alle mit: Sie ernähren ihre eigenen Jungen mit Insekten und können auch einen Jungkuckuck mit der für ihn geeigneten Nahrung versorgen. Darüber hinaus muss es genügend Wirtsvögel geben, denn ein Kuckuckweibchen muss zwölf und mehr Eier legen, um seine Art auf Dauer zu erhalten.

Der Kuckucksruf ist ein Reviergesang und dient mit anderen Rufen dem Kontakt zum Weibchen. Paare bilden sich möglicherweise nur für einen Tag; mehrere Männchen und Weibchen verkehren gleichzeitig in einem Revier. Es herrscht also Promiskuität.

Im Ansitz und auch im Suchflug beobachtet das Weibchen die zu Brutbeginn durch die Aktionen des Männchens beunruhigten Wirtsvögel. Sekundenschnell wird dann das Ei abgelegt, wenn die zukünftigen Stiefeltern gerade nicht am Nest sind. Oft bedient sich das Weibchen auch noch am Gelege des Wirtsvogels und verschluckt ein Ei oder trägt es davon.

Kuckucksweibchen zeigen eine ausgesprochene Wirtsprägung. Denn wenn ihr Ei nicht in Größe, Färbung und Musterung den Wirtsvogeleiern angepasst ist, kann es auch wieder aus dem Nest geworfen werden. Ist der Jungvogel erfolgreich geschlüpft, wird er im frühen Nestlingsalter auf den Wirtsvogel geprägt.

Die Bildung eines legereifen Kuckuckseis dauert vier bis fünf Tage. Es kann im Eileiter bis zur Ablage zurückgehalten werden; hier beginnt manchmal sogar schon die Embryonalentwicklung. Die Brutzeit dauert meist zwölf Tage, dann schlüpft der kleine Kuckuck.

Was sich dann im Nest abspielt, ist dem Jungvogel angeboren: Berührungsreize am Rücken und an den Seiten lassen den wenige Stunden alten Kuckuck empfindlich reagieren. Er duckt sich tief unter die im Nest liegenden Eier oder Nestgeschwister, stützt sich mit den Flügeln in der Beckengegend ab, stemmt den Kopf gegen den Nestboden und schiebt Eier und Nestlinge mit dem Hinterrücken über den Nestrand. Schließlich hockt der Jungkuckuck allein im kleinen Nest; jetzt verfügt er auch über genügend Platz.

Der Jungkuckuck muss gefüttert werden und signalisiert das durch Aufsperren seines großen Schnabels. Damit reagiert er instinktiv auf Erschütterungen und akustische Reize. Der leuchtend orangerote Rachen ist wiederum auch Reiz für die fütternden Stiefeltern. Die Fütterung mit Insekten, vor allem mit Schmetterlingsraupen lässt die Jungkuckucke schnell heranwachsen. Sie verlassen nach zwei Wochen das Nest und sind nach drei bis vier Wochen schon selbständig.

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