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Kormorane

Vogel des Jahres 2010

Kormorane sind mit 29 – 31 Arten die größte Familie der Ruderfüßler. Die ältesten Fossilfunde sind etwa 50 Millionen Jahre alt. Die Scharben (vermutlich aus Seeraben entstanden), wie Kormorane auch genannt werden, bewohnen die Meeresküsten, Fluss- und Seeufer der ganzen Welt; nur auf einigen pazifischen Inseln und in sehr kalten polaren Küstenregionen fehlen sie.

Ernährung:

Alle Kormorane erbeuten ihre Nahrung – fast ausschließlich Fisch – schwimmend uns tauchend, wobei ihre kräftiger und langer, am oberen Ende hakig gebogener Schnabel ein gutes Greifwerkzeug darstellt. Die Schneiden des Hornschnabels tragen eine feine Zähnelung, die äußeren Nasenöffnungen sind verwachsen.

Schwimmen und Tauchen:

Kormorane liegen beim Schwimmen tief im Wasser; dies liegt einerseits an den nur wenig pneumatisierten (mit Lufträumen ausgefüllten) Knochen und zum anderen an der Wasserdurchlässigkeit des Gefieders. Im Gegensatz zu den meisten anderen Wasservögeln entweicht aus dem Federkleid der Kormorane beim Tauchen die meiste Luft, so dass ihr Auftrieb stark verringert wird und die Vögel bebende unter Wasser schwimmen können, in dem sie mit beiden Füßen gleichzeitig rudern. Gesteuert wird mit dem recht langen Schwanz, die Flügel halten Kormorane beim Tauchen leicht abgewinkelt. Nach dem Fischen bleiben diese Vögel nicht lange auf dem Wasser, sondern begeben sich aufs Trockene und nehmen für Kormorane typische Haltung ein, wenn sie die Flügel zum Trocknen ausbreiten.

Mit Ausnahme des um 1850 ausgestorbenen, 3,5 kg schweren Brillenkormoran von den Behringinseln (Kommandeur – Inseln) sind alle Kormorane gute Flieger, einige nördliche Arten unternehmen Wanderungen. Im Fluge strecken sie den Hals gerade vor und ziehen häufig in V – Formation.

Fortpflanzung:

Je nach Lebensraum errichten Kormorane ihre Nester auf den Erdboden, auf Felssimsen sowie in Baumkronen oder Büschen. An der Küste besteht das Bodennest aus locker angehäuften Tang, während die Baumnester im Binnenland recht umfangreiche Horste aus sorgfältig angeordneten Zweigen und Ästen mit weichgepolsterter Nistmulde sind.

Die Scharben brüten meist in größeren Kolonien, die bei südlichen Arten riesige Ausmaße annehmen können. Das Gelege von Kormoranen besteht in der Regel aus 4 – 6 Eier hellblauen Eiern, die mit einem weißen, kreideartigen Kalküberzug versehen sind. Die frisch geschlüpften Nestlinge, die von beiden Altvögeln 3 – 5 Wochen lang erbrütet werden, sind völlig nackt und blind; sie werden von den Eltern mit hochgewürgter Nahrung direkt in den Schnabel gefüttert. Später bilden die Jungen ein dichtes bräunliches oder schwärzliches Dunenkleid aus und holen sich ihre Nahrung selbstständig aus dem Schlund der Altvögel. Nach 5 – 10 Wochen werden junge Kormorane schließlich völlig unabhängig.

Gestalt:

Beide Geschlechter unterscheiden sich im Gefieder nicht voneinander; männliche Kormorane werden meist etwas größer als weibliche Tiere. Die nördlichen Arten der Familie sind überwiegend dunkel gefärbt (häufig mit metallischen Glanz), nur an Kopf und Kehle heben sich oft leuchtendbunte Hauptpartien auffallend vom Gefieder ab. Manche Kormoranarten der südlichen Hemisphäre dagegen haben helle Unterseiten. Im Brustkleid bilden Kormorane weiße Schmuckfedern aus, die – je nach Art verschieden – an bestimmten Körperstellen konzentriert sein können oder auch locker im gesamten Gefieder verstreut liegen.

Fischjagd:

Obwohl Kormorane Fische fangen, ist ihr schlechter Ruf als Nahrungskonkurent des Menschen unberechtigt, da ihre Beutetiere in der Regel nur kleine, wirtschaftlich ohnehin uninteressante Fischarten sind. Manche Kormorane veranstalten Gemeinschaftsjagden, wobei sie oft regelrechte Schützenlinien die Fische einkesseln und zusammentreiben.

Dressierte Kormorane:

Mehrere asiatische und afrikanische haben verschiedene Kormoranarten zum Fischfang abgerichtet (darunter auch den in Europa lebenden Kormoran sowie den größeren Japankormoran, aus Japan und Korea); die zahmen Vögel werden nachts auf Booten mitgeführt. Von dort aus stürzen sie sich auf die Fische, die vorher durch helle Feuer zu den Booten gelockt wurden. Sobald die Vögel nun einen Fisch erbeutet haben, zieht man sie mit Hilfe einer Leine am Bein wieder ins Boot. Ein enger Ring am Hals des Kormoran verhindert, dass dieser den Fisch zur Eigennutzung verschluckt. Erst am Ende des Fischzuges werden die Vögel mit einem Beuteanteil entlohnt. In Japan erhält man diese alte Methode des Fischfangs als Brauchtum aufrecht und führt sie von Zeit zu Zeit als Zuschauerattraktion vor. In anderen Gegenden der Erde wird auch bei Tageslicht mit Kormoranen gefischt.

Guanovögel:

Bei weitem wichtiger als beim Fischfang sind Kormorane als Lieferanten von großen Mengen des wertvollen Guanos. Besonders an der Westküste Südamerikas (Peru, Chile, der Küste vor Argentinien sowie vor dem südwestlichen Afrika existierenden riesigen Brutkolonen der 75 cm langen Guanokormorane bzw. Kapkormorane, deren Kot im Laufe der Zeit viele Meter dicke Schichten gebildet hat. Vor Südamerika leben die Guanovögel von riesigen Sardinenschwärmen, die ihrerseits die Endglieder einer langen Nahrungskette sind, deren Grundlage ein ungeheurer Planktonreichtum ist. Den vor den Kontinentalschelfen Südamerikas und Afrika steigen Mineralreiche Tiefenwasser zur Oberfläche empor, wo sie sich mit den sauerstoffreichen oberen Wasserschichten vermengen und so den pflanzlichen Planktonideale Wachstumbedingungen liefern.

Als Guanolieferanten werden Kormorane geschützt; in Südamerika halten besondere Mauern Raubtiere ab, während vor Afrikas Küsten künstliche Inseln als Brutplätze errichtet wurden. In Japan fängt man den Kot von Baumbrütenden Kormoranarten auf, indem man Stroh unter den Nistbäumen ausbreitet.

Eigentlicher Kormoran

Der 90 – 92 cm große Kormoran brütet im Nordosten Nordamerikas, an den Küsten Grönlands, auf Island, den Britischen Inseln, auf den eurasischen Kontinent von Nord- und Südeuropa bis Japan, auf Neuguinea, Neuseeland sowie in weiten Teilen Australiens (einschließlich Tasmaniens) und Afrikas. Im deutschen Raum nisteten die Kormorane einst entlang der Ost- und Nordseeküste , wurden aber bereits im 19. Jahrhundert als Fischereischädlinge kurzgehalten oder vertrieben. Die größten mitteleuropäischen Brutvorkommen existieren heute noch an der niederländischen Küste.

Zug

Im Winter ziehen die meisten Kormorane Mitteleuropa in den Mittelmeerraum (bis nach Nordafrika), einige niederländische Brutvögel streichen aber nur kurze Strecken südostwärts.

Brut

Die Brutperiode beginnt etwa Ende März in südlicheren Gebieten, nördliche Populationen fangen bis Juni mit den Brutgeschäft an. Beide Partner erbrüten 28 – 29 Tage lang ihr aus 3 – 4 Eiern bestehendes Gelege. Die Augen der Nesthocker öffnen sich im Alter von 5 Tagen, ihr dichtes, dunkelbraunes Dunenkleid sprießt innerhalb der ersten Lebenswoche. Beide Altvögel kümmern sich um ihre Jungen, wobei sie bei sehr heißem Wetter auch Wasser im Gefieder herbeitragen, um die Nestlinge zu erfrischen.

Nach 50 – 60 Tagen werden Kormorane flügge, aber erst mit 11 – 12 Wochen sind sie dann selbstständig. Ihre Geschlechtsreife erlangen Kormorane mit 3 – 4 Jahren, wahrscheinlich bleiben Brutpartner nur eine Saison lang beisammen. Der älteste wild lebende (beringte) Kormoran wurde im Alter von 18,5 Jahren geschossen.

 

 

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