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Flussregenpfeifer

Vogel des Jahres 1993

Stellvertretend für viele andere Arten, erinnert uns der Flussregenpfeifer an die Abhängigkeit einer Tierart vom menschlichen Wirken. Der kleine Vogel wurde erst durch Gewässerbegradigungen sehr selten, profitierte dann von verstärkter Bautätigkeit und den damit geschaffenen Ersatzlebensräumen wie Kiesgruben und droht nun durch die Freizeitgesellschaft erneut in Bedrängnis zu kommen.

Name und Verwandtschaft

Der Flussregenpfeifer gehört innerhalb der Ordnung der Wat-, Möwen- und Alkenvögel zur Familie der Regenpfeifer. Er sieht seinem Küsten bewohnenden Verwandten, dem Sandregenpfeifer, sehr ähnlich.

Kennzeichen

Der kleine zarte Vogel (14 bis 16 cm groß und 30 bis 40 g schwer) fällt häufig durch seine typische Bewegungsweise auf. Wie auf Rädern "rollt" er über den Kies oder Schlamm, bleibt plötzlich stehen und verharrt regungslos auf Beutesuche. Oberseits ist er sandbraun, unterseits weiß gefärbt. Ein weiteres Kennzeichen ist seine Kopffärbung: ein schwarzes Stirnband ist durch einen schmalen weißen Saum vom erdbraunen Scheitel getrennt. Stirn, Kinn, Kehle und ein sich um den Nacken ziehendes Halsband leuchten weiß. Der Augenring ist zitronengelb.

Nahrung

Der Flussregenpfeifer ernährt sich überwiegend von Boden bewohnenden oder dicht unter der Oberfläche lebenden Insekten und deren Larven, von Spinnen und Würmern. Gelegentlich frisst er auch Mollusken, Krebstiere und Sämereien.

Lebensraum

Der ursprüngliche Lebensraum des Flussregenpfeifers waren die Schotterinseln und flachen Ufer unverbauter Flüsse. Heute kann er fast nur noch vom Menschen geschaffene "Ersatzbiotope" besiedeln: vegetationsfreie Kiesflächen, oder kaum bewachsene Rohböden, in Wassernähe bieten den Vögeln als Pionierbiotope zumindest zeitweilig geeignete Lebensräume. Gelegentlich sind Flussregenpfeifer aber auch an Rieselfeldern, Klärteichen, Überschwemmungsflächen und Großbaustellen anzutreffen.

Fortpflanzung

Sofort nach der Rückkehr aus dem Winterquartier beginnt die Balz. Das Nest wird in einer Mulde, bevorzugt zwischen Kieselsteinen, angelegt und nicht weiter ausgekleidet. Die meist vier Eier sind grau bis sandfarben und mit vielen grauen und schwarzbraunen Punkten und Flecken übersät. Brutzeit ist April bis Juli mit Schwerpunkt im Mai. Nach 22 bis 28 Tagen schlüpfen die Jungen im Dunengefieder. Sie sind Nestflüchter und können nach 3 bis 4 Wochen fliegen. Meist brütet der Flussregenpfeifer nur einmal im Jahr, bei Gelegeverlust kommt es aber häufig zu Nachgelegen.

Verbreitung

Der Flussregenpfeifer hat ein großes Verbreitungsgebiet, das sich von der Atlantikküste im Westen über ganz Europa und Asien bis zur Pazifikküste und Japan im Osten erstreckt. Zwei Unterarten bewohnen den Indischen Subkontinent, Südost-Asien und die Inseln Indonesiens. In Mitteleuropa ist seine Verbreitung mangels geeigneter Lebensräume teilweise lückenhaft. Er brütet hauptsächlich in Flußniederungen. . Die europäischen Populationen des Zugvogels überwintern in Afrika zwischen der Sahara und dem Äquator.

Bestand

Das Vorkommen des Flussregenpfeifers variiert regional recht stark aufgrund des Pioniercharakters, und damit auch oft der Kurzlebigkeit geeigneter Brutplätze. Verlässliche Bestandsangaben liegen demzufolge nur für Teilbereiche Mitteleuropas vor. Man schätzt, dass in Deutschland noch 4.000 bis maximal 6.800 Paare brüten.

Gefährdung

Hauptursache für den starken Bestandseinbruch seit Ende des 19. Jahrhunderts war und ist der Verlust der ursprünglichen Lebensräume durch wasserbauliche Veränderungen bzw. Vernichtung seiner Brutplätze. Durch die gleichzeitig verstärkt einsetzende Bautätigkeit wurden zwar "Ersatzbiotope" wie Kiesgruben geschaffen. Leider sind diese jedoch nur selten sichere und dauerhafte Habitate für Flussregenpfeifer. Vielfach sind sie zu Erholungs- und Freizeitflächen für Menschen geworden. Badegäste, Geländewagen und Mountainbikes vertreiben die Vögel oftmals unbemerkt aus ihren Brutgebieten.

Schutzforderung.

Da geeignete Brutplätze häufig einer raschen Veränderung unterliegen, sind Maßnahmen wie Kiesaufschüttungen nicht immer zielführend. Viel wichtiger sind der Schutz und die Renaturierung natürlicher Fließgewässer, sowie die Erhaltung von Brachflächen.

 

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