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Amöbosporidien

Die parasitisch lebenden Amöbosporidien treten im Wirtsgewebe als mehrkernige, amöboid bewegliche Zellen auf. Die Sporen, die zur Übertragung auf neue Wirtstiere dienen, sind aber sehr kompliziert gebaut. Sie enthalten eine oder mehrere Polkapseln mit spiralig aufgewundenem Polfaden. Zur Infektion eines Wirtstieres wird der Polfaden ausgeschleudert, und durch ihn dringt der amöboid bewegliche Infektionskeim ins Wirtsgewebe ein. Bei einemTeil der Amöbosporidien, den Myxosporidien und den Actinommyxidien, bestehen die Sporen aus mehreren, verschiedenen differenzierten Zellen. Zweifellos ist an dieser Stelle  die Grenze der einzelligen Organisation (Einzeller) überschritten, und eine früher vermutete nahe Verwandtschaft zu  den Sporentierchen ist recht unwahrscheinlich. Die Unterschiede im Sporenbau und in der Wirtswahl erfordern eine getrennte Behandlung der drei Gruppen, Myosporidia,  Actinomyxidia und der gesondert stehenden Microsporidia.

Myxosporidien

Entwicklung.

Bei den Myxosporidien differenzieren sich die sporenbildenden Kerne in drei Typen, die Kerne der Polkapseln, des Sporoplasmas und der Schale. In der mehrzelligen Spore sind da neben den Amöboidkeim selten eine, meist 2 bis 6 Polkapseln enthalten. Die Spore ist von einer zweiklappigen Schale umgeben.

Wirtstier.

Die Wirtstiere der Myxosporidien sind vornehmlich Fische, seltener Amphibien und Reptilien. Es ist unauffällig, dass sie Myxosporidien meist ganz bestimmte Organe besiedeln. Entweder werden die Hohlräume der Organe befallen (z.B. Gallen- oder Harnblase) oder das Gewebe selbst. Entsprechend trifft man auf amöboid bewegliche Zellen oder Cysten. Als Vermehrungsformen sind Zwei- oder Mehrfachteilung beschrieben worden. Einige der bekanntesten Fischkrankheiten werden durch  Myxosporidien hervorgerufen.

Fischkrankheiten.

Myxobolus pfeifferi erzeugt besonders im stark verschmutzten Gewässer die Beulenkrankheit der Barben. Dabei werden zahlreiche Organe des Wirtsfisches z.T. in harmloser Form, befallen. Die unauffälligen Beulen entstehen durch die Infektion der Muskulatur. Hierbei bilden sich Tumore von 0,5 bis 6 cm Größe, die schließlich aufplatzen, die reifen Sporen entlassen und sich in kraterfömige Geschwüre verwandeln. Die Sporen sind eiförmig bei einer Größe von 10 x 12 µm.

Die Drehkrankheit  der Forellen wird durch Myxosoma cerebrale mit seinen linsenförmigen, 7 bis 9 µm großen Sporen hervorgerufen. Es werden die Knorpel, vor allen bei den Jungfischen befallen, und durch die starke Vermehrung des Parasiten zerstört. Der kranke Fisch zeigt kreisende Bewegungen, unterbrochen von Erschöpfungszuständen. Vor allem im hinteren Körperabschnitt verfärbt sich die Haut dunkel, und es kommt zur Verkrümmung der Wirbelsäule. Bei stärkeren Befall tritt der Tod ein; dadurch kann die Krankheit in Fischzuchtbetrieben große wirtschaftliche Bedeutung erlangen.

Eine andere häufige Art ist die Myxidium lieberkueni, das beim Hecht die Innenwand der Harnblase oftmals in unübersehbarer Menge besiedelt, ohne offensichtliche Krankheitserscheinungen hervorzurufen. Diese eigenartige Erscheinung verdient es, noch genauer untersucht zu werden.

Aktinomyxidien

Die Aktinomyxidien leben vor allem in Wenigborstern und in Spritzwürmern, in denen sie die Leibeshöhle und die Darmwand besiedeln. Ihre vegetative Form wächst zu einer Pansporoblasten  heran, der acht Sporenblasten enthält. Jede Sporoblast bildet schließlich einer der typischen dreistrahligen Sporen mit je drei Polkapseln. Da die Sporen bereits im Wirt frei werden können, ist eine Selbstinfektion möglich.  

Mikrosporidien

Parasitismus.

Die Mikrosporidien treten besonders häufig bei Insekten auf. Bei der Infektion wird der Polfaden der Spore ausgeschleudert, und durch ihn tritt der Amöboidkeim in die Wirtszelle ein. Die Mikrosporidien sind also im Gegensatz zu Myxosporidien  und Aktinomyxidien Parasiten. Die Forschung ihrer außerordentlich kleinen Zellen ist im Wesentlichen durch elektronenmikroskopische Untersuchungen vorangetrieben worden. Der Amöboidkeim wächst in der Wirtszelle heran und vermehrt sich durch zwei- oder Vielfachteilung. Die Zellkerne differenzieren sich jedoch nicht in vegetative und sporenbildende Kerne. Vielmehr entspricht eine ganze Zelle einer Pansporoblast und bildet schließlich unter Teilung zwei birnenförmige oder ovale Sporne. Die Sporen sind stets einzellig. Daher werden die Mikrosporidien heute meist die übrigen Amöbosporidien abgetrennt und mit den Haplosporidien als Microspora unter die Einzeller eingereiht.

Krankheiten.

Vor allen zwei Arten erlangen als Krankheitereger wirtschaftliche Bedeutungen:

Norsema bombycis verursacht die Fleckenkrankheit der Seidenraupe. Die Infektion erfolgt vom Darm aus, aber es werden nach und nach alle Organe befallen. Die späte Besiedlung der Hautzellenführt zu der charakterischen Ausbildung brauner und schwarzer Flecken. Meist endet die Krankheit mit dem Tod der Raupen. Die Sporen von Nosema bombycis sind eiförmig und 1 bis 2 µm breit und 2 bis 4 µm lang.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts führten Pebrine Infektionen zu empfindlichen Verlusten der französischen und italienischen Seidenraupenkultur. Die Krankheit konnte erst durch die von Louis Pasteur empfohlenen hygienischen Maßnahmen eingedämmt werden. Bei der Eiablage gelangen Nosema – Sporen vom infizierten Weibchen mit in das Gelege, wo sich dann die ausschlüpfenden Raupen infizieren.

Nosema apis gilt als Erreger der Bienen – Nosematose. Diese Art befällt jedoch  nur die Darmzellen, keine anderen Gewebe. Es kommt dann zu schweren Infektionen, wenn die Bienenvölker mangelhaft gepflegt werden oder die Bienen durch ungünstigen Bedingungen am Ausfliegen verhindert sind; denn auch hier erfolgt die Infektion durch die Aufnahme von sporenhaltigen Kot: ein gesundes Bienenvolk aber hält sich selber sauber. Die Sporen sind 2,5 bis 3,5 µm x 4,5 bis 6,5 µm groß.

Als biologische Methode der Schädlingsbekämpfung werden im Forstschutz z.T. bereits Sporen anderer Norsema – Arten ausgebracht, um Massenvermehrungen schädlicher Raupen in Monokulturen zu begegnen.

Die Gattung Glugea tritt bei verschiedenen Fischen als Krankheitserreger auf und befällt Darmwand, Leibeshöhle und Bindegewebe. Infizierte Stellen zeichnen sich oft durch Riesenwuchs aus. Glugea anomala findet sich in Stichlingen, Glugea stephani in Schollen. Vor allem bei Lippfischen wird bei einem Massenbefall der Bauch stark aufgetrieben.

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