Natur, Garten und Tiere. Nagati das Lexikon für jeden.

 Natur Garten & Tiere

Nagati




 

Startseite Chat Forum Externes Forum

Abstammungslehre

Noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts herrschte der allgemeine Glaube vor, das sämtliche lebende und ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten in ihrer bekannten Erscheinungsform schon so lange auf der Erde vorkommen, seit es überhaupt Leben gibt; deshalb seien auch seit der Schöpfung keinen neuen Tier- und Pflanzenformen mehr hinzugekommen.

Es gibt so viele Arten, wie am Anfang erschaffen wurden.

Erste Zweifel an diesen Schöpfungsglauben kamen den Paläontologen, als sie die ausgegrabenen Überreste fossiler Organismen mit der Formen ihrer lebenden Nachkommen verglichen:  Aus den ursprünglichen einfachen Bauplänen der Ahnen haben sich offensichtlich allmählich und stufenweise neue Formen entwickelt. Die alte Lehre von der Unveränderlichkeit der Arten war nicht länger haltbar. Es war da dann das besondere Verdienst von Jean – Baptiste de Lamarck (1744 – 1829) und Charles Darwin (1809 -1882), die Veränderung und Entwicklung des Lebens aufzuzeigen. Ihre Vorstellung wurde zur Grundlage zweier Theorien und naturphilosophischer Richtung:

  1. Lamarckismus
  2. Darwinismus

Die Abstammungslehre oder Deszendenztheorie vertritt die Meinung, dass sich die heute lebenden Arten durch natürliche Abstammung aus noch anders gestalteten gemeinsamen Vorfahren  früherer Endepochen entwickelt haben. Das zeigt einmal der Vergleich fossiler Formen untereinander, anderseits ihr Vergleich mit heutigen Formen. Meist sind es nur einzelne vererbte Körpermerkmale oder –funktionen und sogar Verhaltensweisen, die zum Vergleich herangezogen werden, wenn die Verwandschaftsbeziehungen lebender Formen untersucht werden. Unzählig solche Tatsachen, die aus verschiedensten naturwissenschaftlichen Gebieten zusammengetragen werden, erhärtet diese Theorie praktisch so gut, dass heute keine ernsthaften Zweifel an ihrer Gültigkeit mehr bestehen können. Als Hilfswissenschaften sind hierzu  besonders erwähnenswert: Die bereits genannte Paläontologie, ferner Morphologie und Systematik, Ökologie und Tiergeographie, Genetik, Physiologie und in neuerer Zeit auch Biochemie und Verhaltensforschung.

Drei Fragen beschäftigen die Wissenschaft in Hinblick auf die Abstammungslehre besonders:

Hat eine Entwicklung der Arten aus ihren Vorfahren stattgefunden?
Welche Wege hat die Entwicklung (z. B. einer Tiergruppe) durchlaufen, und wer sind Vorfahren?
Was sind die Ursachen (sogenannte Evolutionsfaktoren,  die eine Fortentwicklung veranlassen, anstatt alles beim Alten zu lassen?

Die vielen Beweise zur Gültigkeit der Deszendenztheorie nehmen eine zentrale Stellung innerhalb der Homologienforschung ein. Trotz aller Verschiedenartigkeit – selbst verwandter Tiergruppen – bestehen letztlich doch Gemeinsamkeiten etwa in der Lage oder dem Bau der Organen oder Körperstrukturen: Es besteht ein gemeinsamer Bauplan.

Betrachten wir hierzu die Wirbeltiergruppen, so finden wir das typische Wirbeltierauge vor, ferner beispielweise die Leber und – der Name Wirbeltiere bedeutet es – Wirbel und eine Wirbelsäule. Der Vergleich solcher Organe und Körperstrukturen, die innerhalb des Gefüges Organismus einander entsprechen, verlangt nach gleichartig anzuwendenden Kriterien, den genannten Homologiekriterien:

Das Kriterium der Lage

Es kann sehr eindrucksvoll am Beispiel der Ausbildung des Wirbeltiers – Voderextremität dargestellt werden; Obwohl sich die sehr unterschiedlich fortbewegen (Frösche hüpfen, Wale Schwimmen, Vögel fliegen, Hunde rennen und der Mensch hat ihm eigene, besondere Fortbewegungsweisen entwickelt: entsprechend sind ihre Extremitäten funktionsbedingt abgewandelt), so lassen sich die einzelnen Knochen doch aufgrund ihrer gleichartigen Lage und Lagebeziehung homologisieren, also auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen.

Ein ähnliches Beispiel zeigen die Mundwerkzeuge der Insekten: Trotz unterschiedlichem Bau – bedingt durch die beißende, leckende, saugende oder stechende Art der Nahrungsaufnahme- treten stets die Einzelteile in gleicher Anordnung auf.

Das Kriterium der Kontinuität (der fortdauernd gleichen Grundlage). Es kann ebenfalls am Beispiel der Insekten – Mundwerkzeuge erklärt werden. Die Keimesentwicklung zeigt, dass sie segmental und zunächst so gleichartig wie die übrigen Körpergliedmaßen (z. B. Beine) angelegt werden; erst darauf folgt eine unterschiedliche, funktionsbedingte Weiterentwicklung.
Das Kriterium der spezifischen Qualität (oder Körperstrukturen der je nach Tierart besonderen Ausprägung). Manche Organe haben an Äußerlichkeit oder Lage nur noch wenig augenscheinlich Gemeinsames. Dennoch besteht die Möglichkeit, sie aufgrund eines gleichartigen Baus zu einander zuzuordnen.

Ein Beispiel hierzu sind der Wirbeltierzahn und seine funktionsbedingten Abwandlungen: Der Weisheitszahn, der Walroßhauer, der Stoßzahn des Elefanten wie auch die Haifischschuppe werden in der gleichen Art und Weise gebildet.

Der Homologie – Begriff bezieht sich also nicht auf den Organismus insgesamt, sondern lediglich auf  Teile von ihm, die auf einen stammesgeschichtlichen Vorfahren zurückführbar sind. Aber nicht nur derartige Körpermerkmale sind zum Vergleich heranzuziehen: Ebenso sind ererbte Verhaltensweisen als Verhaltensmerkmale homologisierbar und leisten einen wertvollen Beitrag zur Beweisführung.

Aus physiologischen Bereichen sind seit jüngster Zeit auch die Ergebnisse aus der Enzymforschung und der Immunbiologie zu aussagekräftigem  Belegmaterial geworden.

Charles Darwin lieferte seine Argumente für die Deszendenztheorie u. a. aus persönlich erfahrener zoogeographischer Sicht. Viel Organismengruppen sind nicht weltweit verbreitet, sondern sie haben sich aufgrund für sie nicht überbrückbarer geographischer Schranken (z. B. Insel, Berge, auch Klima) isoliert und dann der Umgebung entsprechend fortentwickelt.

 Umweltveränderungen waren und sind vielmals der äußere Anlass, zur Änderung der Lebensweise. Neigung zur Mutationen und darauffolgende natürliche Zuchtwahl bestimmen die evolutiven Änderungen mit. Oft ging damit ein Funktionswechsel von Organen oder gar deren Rückbildung einher. Übrig blieben dann rudimentäre Organe.

Eine besonders starke Unterstützung erhielt die von der Embryologie bereits im vergangenen Jahrhundert. Man hatte schon herausgefunden, dass während der Keimesentwicklung bisweilen Organe angelegt werden, die im ausgewachsenen Zustand verlorengegangen sind, aber oft einen den Ahnenformen entsprechenden  Bau aufweisen: so ist der menschliche Embryo während einer Periode seiner Keimesentwicklung stark behaart, verliert aber das Haarkleid noch vor der Geburt. Ein anderes Beispiel geben die Bartenwale. Sie gehören trotz ihres (zahnlosen) Reusenapparates mit den Zahnwalen zusammen; denn sie beginnen als Embryonen Zahnanlagen auszubilden, die wieder verloren gehen.

Aufgrund der Fortschritte in der Evolutionsbiologie haben wir gute Kenntnis zur Entstehung von Lebens – Formen innerhalb der vergangenen fünf Milliarden Jahre. Doch uns bleibt immer noch das Staunen über das Rätsel der Entstehung des Lebens selbst.

Zurück zu Wissenswertes

Login
News
Archiev
Navigation
Hilfreiches
Online
Counter
Suche
W-P ® V2.47.2